
Die Bunten Gartenprimeln mit vielen ungemein großblütigen und farbenreichen Rassen entstanden durch intensive Züchterarbeit aus der Kreuzung der Schaftlosen Primel (Primula vulgaris Huss. (Synonym: P. acaulis (L.) Hill)) mit verschiedenen anderen Schlüsselblumen-Arten. Die Stauden werden nach einjähriger Kultur in großen Mengen und Farben vom Jahresanfang bis Mai von Discountern bis Gartenmärkten angeboten. Die Bunten Gartenprimeln sind gleichsam die gärtnerische Antwort auf Goethes Oster-Klage, dass es an Blumen im Revier fehle.



Die Art gehört zur Familie der Primelgewächse (Primulaceae Batsch), die mit etwa 400 Arten, hauptsächlich krautigen Stauden, vorwiegend auf der Nordhemisphäre verbreitet ist. Primula vulgaris kommt in Europa in frischen Laubwäldern, Gebüschen, waldnahen Wiesen und Böschungen vor. Sie bevorzugt nährstoffreiche und kalkarme Böden. Die Stauden bilden Rosetten, sind halb- bis immergrün und können bis zu 20 cm hoch werden; der Blattrosette entspringt ein Blütenstand mit sehr kurzem Schaft und bis zu 25 Einzelblüten. Der botanische Name Primula (lat. prima = die erste) sagt, daß diese Pflanze als eine der ersten im Jahr blüht; „vulgaris“ ergänzt, dass es sich um eine „gewöhnliche“ oder „gemeine“ Art handelt.



Im 17. Jh. erfreuten sich Aurikeln (Primula auricula L.) größter Beliebtheit; vom Beginn des 19. Jh. an wurden sie dann jedochzunehmend von den neuen Züchtungen der Bunten Gartenprimel verdrängt. Im „Allgemeinen Blumen-Lexicon …“ 1811 von Theodor Theuß sind der Aurikel noch 2 volle Seiten, der Primula acaulis jedoch nur drei – zugegeben lange – Sätze gewidmet. Leider sind viele der Kultursorten der Gartenprimel nicht so langlebig wie deren Eltern und säen sich am Pflanzort auch nicht aus. Alle Sorten eignen sich vorzüglich für gepflegte Beete , insbesondere im Bereich kühler beschatteter Gehölzränder. Ein Verwildern geeigneter Arten wird durch Verschleppen der Samen, die Dank eines Anhanges – Elaiosom – für Ameisen als Nahrunsquelle interessant sind, befördert. Diese Arten wachsen dann gerne in schüttere Rasenflächen ein.



Die meisten der lange blühenden Stauden werden für Wechselpflanzungen auf Beeten oder in Pflanzgefäßen genutzt und leider nach dem Abblühen entsorgt – eben Wegwerfware (WWW). Im März 2024 hatten wir die Waldprimel (Primula elatior (L.) Hill.) als Pflanze des Monats vorgestellt. Auch sie ist ein Elternteil von anderen Rassen bunter Primeln. Eine genauere Zuordnung der Sorten zu jeweiligen Eltern ist jedoch durch mehrfache Hybridisation der verschiedenen Kreuzungsprodukte untereinander schwer bis unmöglich.
Text und Fotos: Dr. H. G. Büchner
