
In diesem Jahr führte uns unser sommerlicher Ausflug in den Park Babelsberg. Am 01. Juli trafen sich 32 Vereinsmitglieder und interessierte Gäste am Schloss Babelsberg, wo wir uns zu einer bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gebuchten Führung verabredet hatten.
Da der angekündigte Regen zum Glück ausfiel, haben wir bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen mit fachkundiger Führung einen Teil des Landschaftsparks besichtigt und den interessanten Fakten aus der preußischen Geschichte zugehört.





Die Landschaftsgestaltung verdanken wir Peter Josef Lenné, der den Park Babelsberg mit spektakulären Aussichten auf die Havel, die zur Kaiserzeit gebaute Glienicker Brücke und das Schloss Glienicke sowie die Sichtachsen auf den Potsdamer Pfingstberg, die Nicolaikirche und den Flatowturm entwickelte.





Erbaut wurde das Schloss Babelsberg ab 1833 für Prinz Wilhelm (späterer Kaiser Wilhelm I.) und seine Gemahlin Augusta, auf deren Wunsch im englischen Neogotikstil. Mit der Gartengestaltung wurde Fürst Hermann von Pückler-Muskau beauftragt.

Um die 40 m hohe Fontäne zu betreiben sowie die künstlichen Seen, das sogenannte „Schwarze Meer“, Wasserfälle und Bachläufe zu schaffen, wurde ein Dampfmaschinenhaus mit eingebautem Pumpenhaus errichtet.




Sehenswert sind auch die Gerichtslaube in gotischem Stil, in Babelsberg wiedererrichtet, nachdem das Original dem Neubau des Berliner Rathauses weichen musste, und das Damenschlösschen, in den demnächst wieder ein Café einziehen soll.



Auch zur neueren Geschichte erhielten wir interessante Informationen. So verlief während der Teilung Deutschlands der Grenzzaun (keine Mauer!) zu Westberlin durch den Park, wodurch die ursprüngliche Wegeführung vielfach verloren ging und nach der Wiedervereinigung mühsam wiederhergestellt werden musste. Das Schloss erfuhr zu DDR-Zeiten eine Nutzung durch die Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften und die DEFA. Letztere nutzte mit ihrer Reitsport-BSG (wer die Abkürzung nicht kennt: Betriebssportgemeinschaft) den Marstall, an dessen Sanierung zur Zeit gearbeitet wird. Dort war ab 1965 ein berühmtes Pferd, der Schimmel „Kalif“ beheimatet, der in Filmen wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und Indianerfilmen mit Gojko Mitic zu sehen war.






Nach 1990 wurden die Wege und die Terrassen mit den Ziersträuchern, Blumengärten und Wasserspielen (Pleasureground) rekonstruiert. Seit den 1960-er Jahren wird der Park im Rahmen des UNESCO-Welterbes als Gartendenkmal gepflegt. Leider steht das schön restaurierte Schloss leer und kann nicht besichtigt werden.
Die 90-minütige Führung war eine interessante Zeitreise rund um das Schloss im Park Babelsberg und macht Lust auf mehr, um den Park mit seinen über 100 ha zu erkunden.
Text: G. Höbbel; Fotos: G. Költzsch, G. Pritzlaff, M. Wille
