Pflanze des Monats Juni 2026: Die Hänge-Birke

Birkenhain


Die Hänge-Birke, Sand-Birke oder auch Warzen-Birke (Betula pendula Roth) ist ein sommergrüner Laubbaum, dessen natürliches Verbreitungsgebiet in temperierten und arktischen Arealen Europas, Asiens und Nord-Amerikas liegt. Die Art bildet mit weiteren ca.100 die Gattung der Birken (Betula L.), die zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae Gray) gehört, der auch Erlen sowie Haselnüsse, Hainbuchen, Hopfenbuchen und Scheinhopfenbuchen zugeordnet werden. Der deutsche Name kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet etwa „die Glänzende“, „die Leuchtende“ oder „die Schimmernde“. Der botanische Name „Betula“ ist ein lateinischer Pflanzenname, und das lateinische „pendula“ bedeutet schwebend, hängend.

Der frostharte Baum mit mehr oder weniger hängenden Ästen wird bis 25 m hoch und 120 Jahre alt. Bemerkenswert ist die Anspruchslosigkeit des überwiegend weißrindigen Gehölzes, dass als Pioniergehölz Felsen, Kippen und Halden sowie Ruinen und aufgelassene Nutzflächen besiedelt Die Bodenansprüche sind gering, stark saure und alkalische Standorte werden jedoch gemieden. Der Wasser- und Nährstoffbedarf des Flachwurzlers ist groß. Eine besonders gute Entwicklung zeigt das Gehölz auf trockenen gut durchlüften Sandböden und auch auf lehmigem Sand. Die Art ist ein Lichtgehölz, deren lichter Schatten Stauden- oder Strauchwachstum ermöglicht. In Aufforstungen tritt die Birke oft als „Forstunkraut“ auf. Stark schattierende Bäume „vertreiben“ die Birken jedoch bzw. verhindern deren spontane Ansiedlung. Das Ausschlagvermögen der Birke ist gering!

Theodor Theuß bemerkte 1811 zur Verwendung der Birken: “Die Birke ist in großen Naturgärten ganz unentbehrlich: teils für sich allein, zu lichten Hainen; teils in Verbindung mit Rosen etc., die von ihr beschattet werden: um das in der Nähe derselben befindliche Denkmal eines abgeschiedenen Freundes zu ehren und angenehme Empfindungen in uns zu erregen; teils auch in Verbindung mit Pappeln, Fichten etc. zu Baumgruppen etc.“. Birken leiden nicht unter Wildverbiss. Birken sind seit langem Nutzgehölze: Das Holz wurde/wird von Drechslern und Wagnern, von Tischlern und auch Flugzeugpropellerproduzenten geschätzt und genutzt. Aus trockenem Reisig werden Besen gebunden, mit belaubtem Geäst wird in der Sauna gestäubt. Inhaltsstoffe von Stamm und Blättern werden als Saft für die Haarpflege oder als Getränk genutzt. Birkenteer wird in der Veterinärmedizin verwendet und Birkenpech soll schon in der Steinzeit ein wichtiger Klebstoff gewesen sein – bei archäologischen Sicherungsgrabungen auf dem vormaligen neuen iga-Gelände der Gärten der Welt wurden Einrichtungen zur Pechgewinnung gefunden!

Dass Birken mit bestimmten Pilzen (Birkenpilz) zusammenleben, ist bei Pilzsammlern bekannt. Die vom Windbestäuber Birke ausgesendeten Pollen sind für viele Allergiker eine jährliche Plage – Bienen hingegen mögen diesen Pollen wie auch die Ausscheidungen der auf dem Gehölz lebenden Blattläuse, dem Blatthonig.

Blütenstände – gefürchtet und geliebt

Im Brauchtum spielt das Birkengrün eine große Rolle, in manchen Gebieten werden die „Forstunkrautbirken“ im Mai durch junge Burschen geworben bzw. geschlagen, um mit den „Maien“ den Ort, die Häuser pfingstlich zu schmücken. Die Baumschulen bieten eine Reihe von Arten, Wuchsformen und Sorten an, letztere sind in der Regel Veredlungen. Martin Ehlers schreibt 1960 zum phänologischen Nutzen der Birke in „Baum und Strauch in der Gestaltung der deutschen Landschaft“: „Phonologie: Laubentfaltung am Ende des Erstfrühlings (Spätkartoffelbestellung). Reife Früchte am Beginn des Vollherbstes(Spätkartoffelernte, Aussaat der Wintergerste). Laubverfärbung im Vollherbst (Winterweizenaufgang, Ende der Feldarbeiten).“


In den Gärten der Welt sind Birken vorwiegend in den zuerst entstandenen Gartenteilen zu finden. 2023 pflanzten die Mitglieder des Vereins der Freunde der Gärten der Welt den offiziellen deutschen Baum des Jahres eine Moor-Birke (Betula pubescens Ehrh.) am Weg zwischen Wasserspielplatz und Chinesischen Garten.

Text : Dr. H. G. Büchner, Fotos: Dr. H.G.Büchner, G. Költzsch (2)