Zu Besuch in Max Liebermanns „Schloss am See“


Mittwoch, der 22. April 2026, ein Tag wie aus dem Bilderbuch, so recht geeignet für einen Besuch im farbenfroh bepflanzten Garten der „Villa Liebermann“. Ungefähr 20 Vereinsmitglieder ließen sich von Herrn Lieberenz, dem einzigen hauptamtlichen Gärtner des Museums-Ensembles direkt am Wannsee – alle anderen Museumsmitarbeiter sind ehrenamtlich tätig – zunächst die Historie dieses Kleinods erklären: Von der Entstehung 1909 über den Zwangsverkauf an die Nazis 1940, Verfall und Zweckentfremdung nach 1945 bis zur Wiedererstehung 2002 als Museum durch die Max-Liebermann-Gesellschaft.


Beim Rundgang durch den Garten erzählte Herr Lieberenz sehr plastisch, verständlich und witzig von den gartengestalterischen Intentionen des Künstlers Max Liebermann. Wir lernten:

  • Die „Villa Liebermann“ ist gar keine Villa, sondern ein Landhaus! Zu einer „echten“ Villa fehlt das erhöhte Sockelgeschoss.
  • Max Liebermann und Familie nutzten das Anwesen ausschließlich in den Sommermonaten, ab Mai, weil vorher der Natur die Farben fehlten, die er zum Malen brauchte.
  • Aus diesem Grund gibt es unter den Hunderten Gemälden, die den Garten zeigen, kein einziges Wintermotiv!
  • Und die prächtige Frühjahrsbepflanzung, die wir bewundern konnten, gab es somit ursprünglich auch nicht .
  • Liebermann und sein Compagnon Alfred Lichtwark haben den Garten nicht nach gärtnerischen Gesichtspunkten, sondern aus rein malkünstlerischer Sicht gestaltet!
  • So wurden die Hainbuchen in den Heckengärten an einer Stelle extra ein wenig abgesetzt, damit man freien Blick auf die Agapanthus-Lilien an der Terrasse hatte.
  • Der Garten ist streng in Rechteck- bzw. Quadratform gegliedert, weil die Leinwände des Malers nun einmal rechteckig sind!
  • Die Wege mussten als Sichtachsen unbedingt gerade verlaufen, auch wenn Birken dadurch wortwörtlich „im Wege“ stehen!
  • Im Nutzgarten wurde Rotkohl angebaut, nicht etwa aus kulinarischen Gründen, sondern der Farbe wegen!

Unser herzlicher Dank geht an Herrn Lieberenz für seine sachkundige und kurzweilige Führung und an alle Ehrenamtlichen, die das Museum „Liebermann-Villa am Wannsee“ auch ohne öffentliche Grundförderung am Laufen halten. Außer dem einmaligen Gartendenkmal sollte man sich auch die Dokumentation und die Kunstausstellung nicht entgehen lassen, auf der Terrasse kann man sich Kaffe und vorzüglichen Kuchen (oder Quiche) schmecken lassen, und der Museumsshop ist eine wahre Fundgrube!

Text: G. Költzsch, Fotos: G. Költzsch, M. Tschauder