Pflanze des Monats April 2026: Das Busch-Windröschen

Das Busch-Windröschen (Anemone nemorosa L.) gehört mit weiteren 143 Arten zur Gattung der Windröschen oder Anemonen, die wiederum mit anderen 61 Gattungen die umfangreiche Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae Juss.) bilden. Neben den beim Winterling (Pflanze des Monats MÄrz 2026) genannten Arten findet man in dieser Familie auch Christophskraut, Wiesenraute, Leberblümchen, Scharbockskraut, Dotterblume und Silberkerze. Der deutsche Pflanzenname „Busch-Windröschen“ beschreibt den bevorzugten Standort sowie die auf dem beweglichen Blütenstängel leicht vom Wind hin und her bewegten Blüten. Der Botanische Name entspricht dem Deutschen: griech. anemos = Wind und lat. nemorosus = hainbewohnend.

Die Art ist in warmgemäßigten bis kühlen Gebieten Europas beheimatet; man findet sie in krautreichen, frischen bis wechselfeuchten Wäldern und Gehölzgruppen sowie auf Mittelgebirgswiesen. Bei einer Einteilung der Anemonen-Arten nach Standort und Verwendung zählt man das Busch-Windröschen gemeinsam mit dem Gelben Windröschen (A. ranunculoides L.) zu den „Waldarten“ – weitere Kategorien dieser gebrauchsorientierten Einteilung sind „Gehölzrandarten“ (z.B. Herbst-Anemonen), „Steingartenarten“, „Feuchtwiesenarten“ sowie „winterempfindliche Arten“.

Die Blütezeit des Busch-Windröschen liegt je nach Standort zwischen März und Mai. Die Pflanzen werden 10 bis 25 cm hoch. Sie wurzeln mit kriechendem waagerechten Wurzelstock bis zu 15 cm tief auf verschiedenen, jedoch möglichst humosen und nicht zu trockenen lehmigen Standorten. Die Art wird bezeichnend als „bodenlockernde Mullbodenpflanze“ benannt (Jelitto/Schacht/Simon). R.Hansen und Friedrich Stahl (Die Stauden und ihre Lebensbereiche.) schreiben zum Busch-Windröschen: “…verbreiteter Vorfrühlingsblüher unserer Laubwälder; unscheinbar im Sommer; kaum im Handel. Alle benötigen das jährlich fallende und sich zersetzende Laub und viel Licht zur Blütezeit.“

Speicher- und Überwinterungsorgan der Staude ist der rhizomartige Wurzelstock. Patrick M. Synge schreibt in „Gartenfreude durch Blumenzwiebeln“: „Unsere wilde Anemone, dabei eine der zierlichsten und zartesten aller Wildblumen.“ Blüten „etwa 2 cm breit, hellfarbig, auf der Außenseite oft purpurviolett oder rosa überhaucht, mit 6 oder mehr Segmenten, …Stiel schlank, daher das Gleichnis vom Tanz im Zephir.“ Zephyr – der „sanfte Westwind“ griechischer Mythologie.

Die Art kommt in verschieden Wuchsformen vor: Das Spektrum reicht von gedrungen mit dunklem Stiel und dunkelgrünem oder bronzenem Blatt  bis zu hoch und locker mit Stiel und Blatt in hellem Grün. Sie bedeckt häufig gesellig große Flächen, begeisternd in den noch vegetationsarmen Wäldern. Die Variabilität der Art wurde genutzt, um verschiedene Sorten mit gefüllten, lavendelblauen, hellblauen, dunkelblauen oder rötlichen Blüten zu züchten oder auszulesen. Busch- und Gelbes Windröschen besiedeln zuweilen gleiche Standorte, dabei kommt es gelegentlich zu Bastardierungen, das Ergebnis ist das Leipziger Busch-Windröschen (Anemone x lipsiensis Beck).

Die Vermehrung der Staude erfolgt durch Teilung oder Aussaat; im Garten sät sich das Windröschen an geeigneten Standorten selbst aus, ein dicker Fruchtstiel fördert als Elaiosom die Verbreitung durch Ameisen. Auch hier gilt wie beim Winterling, dass die Standorte tunlichst vom Fleiß der Gartenpflegenden zu beschützen sind; sollte ein Jäten doch unbedingt nötig werden, dann bitte nur einzelne Pflänzchen gewaltlos mit zwei spitzen Fingern aus der Erde ziehen und die den Wurzeln dennoch anhaftende Erde abschütteln! Die Blüten der Anemone verschließen sich nachts und bei kühler Witterung durch Wachstumsbewegungen. Sie hängen dann verschlossen – schlafend – herab. Dies mag Anton Wilhelm v. Zuccalmaglio Anlass zu seinem von Johannes Brahms vertonten Gedicht gewesen sein:

Die Blümelein, sie schlafen

schon längst im Mondenschein,

sie nicken mit den Köpfen

auf ihren Stengelein.

Es rüttelt sich der Blütenbaum,

er säuselt wie im Traum:

Schlafe, schlafe, schlaf du, mein Kindelein.

In den Gärten der Welt ist das Busch-Windröschen verstreut in den Waldpartien zu finden, wie z.B. am Karl-Foerster-Garten.

Text und Fotos: Dr. H. G. Büchner