20 Jahre Koreanischer „Seouler“ Garten

Unter dem Eindruck des in den Gärten der Welt entstandenen Chinesischen Gartens und des Japanischen Gartens hatte ein in Berlin-Marzahn wohnender Bürger, der aufgrund seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit in China eine enge Beziehung zur fernöstlichen Kultur entwickelt hatte den Vorschlag unterbreitet, einen Koreanischen Garten in den Gärten der Welt zu bauen. Diese Idee führte in eine diplomatische Zwickmühle im Umgang mit beiden koreanischen Staaten, da der Ideengeber über gute Kontakte zu Nordkorea verfügte. Nach diplomatischem Hin- und Her und mit Blick auf die Gartenkunst gab es eine Entscheidung, in deren Folge im April 2005 eine Mannschaft aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul mit dem Bau beginnen konnte.


Die koreanische Gartengestaltung wird von 3 Philosophien beeinflusst: Dem volkstümlichen schamanischen Glauben, dem Buddhismus und den Lehren des Konfuzius. Nach der koreanischen Tradition soll ein Garten so gestaltet sein, dass er natürlich wirkt, als wenn die Natur ihn geschaffen hätte. Der Mensch soll darin vor allem Freude, Entspannung und Ruhe finden. Eine solche natürliche Landschaft wurde von koreanischen Gartenspezialisten auf einem 4000 m² großen Areal in den Gärten der Welt erschaffen.

Der Koreanische Garten im Bau (2005)

Es wurde ein kleiner Berg aufgeschüttet und eine Landschaft aus Felsen und einem Flusslauf modelliert. Auf die bergige Anhöhe mit dem Kye Zeong (Pavillon am Wasser) gelangt man über mehrere Höfe, Ma-Dang genannt. Der Pavillon folgt einem historischen Vorbild, dem koreanischen „Volkshaus Hanok“. Im Jahre 1516 wurde ein solches Haus für den berühmten Gelehrten Lee Eon Jeok gebaut. Er hatte sich aus dem politischen Leben zurückgezogen, um sich den Lehren des Konfuzius zu widmen. Von der Terrasse auf der Wasserseite des Hauses hat man eine wunderbare Sicht auf die gestaltete Flusslandschaft.

April 2006: Blick vom Haus zur Einsamen Freude zum Marzahner Ausguck ist noch frei


In den Garten gelangt der Besucher durch ein großes, mit einem aus zwei Etagen gestalteten Dach versehenem Tor, dem „Tor des Himmels“. Man betritt Höfe mit eben gestampftem Boden, durch Lehmmauern eingefasst. Diese Mauern sind mit Dachziegeln abgedeckt und zurückhaltend mit Tonelementen geschmückt. Der erste Hof geht in einen zweiten über, von dem man wiederum durch ein Tor auf einen etwas höheren dritten und schließlich zu einem repräsentativeren Hof gelangt, der an seiner Südseite vom Pavillon begrenzt wird. Die Tore zu den Höfen sind schmuckvoll gestaltet.

Buk Su, Zang Sung und Sot Dä (April 2006)
Buk Su, Zang Sung und dahinter Sot Dä (April 2025)

Charakteristisch für den Koreanischen Garten sind verschiedene Figuren aus Holz und Gestein, eine Art von Totempfählen, die auf eine koreanische Tradition aus der Welt der Geister und Schamanen zurückgehen und als Schutzgeister dienen sollen. Diese „Zang Sung“ genannten geschnitzten Totems werden paarweise, also mit einem weiblichen (Ritterin der Erde) und einem männlichen (Ritter des Himmels) Schutzgeist dargestellt, an die man sich mit seinen Wünschen wenden kann. Kleinere Figuren – „Buk Su“ genannt – sollen vor Feuer, Wasser, Epidemien oder anderem Unglück schützen. Auf Stangen montierte vogelartige Gebilde „Sot Dä“ sollen als Boten die Gebete der Menschen in die Welten der Geister tragen. Diese Geister existieren in der Vorstellungswelt der Schamanen gleichsam in einer Parallelwelt zu der Welt, in der wir Menschen leben.


Der Bau des Koreanischen Gartens erfolgte fast ausschließlich durch koreanische Arbeitskräfte unter koreanischer Bauleitung. Es wurde sehr zügig und körperlich hart gearbeitet. Maschinen kamen kaum zum Einsatz. Die Materialien für das Gelehrtenhaus und die Mauern kamen aus Korea und wurden vor Ort zusammengefügt. Auch die Kiefern wurden aus Korea geliefert. Andere Pflanzen und die teils sehr großen Steine stammen aus dem Land Brandenburg, aus Braunkohlentagebauen, wo sie eher lästig waren, im koreanischen Garten aber nun einen besonderen Platz gefunden haben.

Der Koreanische „Seouler“ Garten ist ein Geschenk der Stadt Seoul an Berlin. Bei der feierlichen Eröffnung am 31. März 2006 verwies Soo-Hyuck Lee, Botschafter der Republik Korea in seiner Rede auch auf die Vision eines wiedervereinigten Korea. 20 Jahre danach ist diese Vision in noch weitere Ferne gerückt. Aber der Koreanische Garten ist uns ganz nah.

Grundlage der Recherche für diesen Beitrag:
Publikation „Die Gärten der Welt in Berlin Marzahn – Wie sie entstanden sind“ des Vereins Freunde der Gärten der Welt e.V.

Fotos: Elvira Meier, Pritzi